Bargteheide und die Mobilität

 

Im Gegensatz zu vielen europäischen Nachbarn hat Deutschland ein besonderes Talent. Es belegt Wörter mit einem durchweg negativen Inhalt. Denken Sie mal an Wörter wie Kohlekraftwerk oder noch schlimmer: Rüstungsindustrie. Na, legt sich Ihre Stirn schon in Zornesfalten? Ironie beiseite: In Zukunft könnte das Wort Auto dazugehören, oder?

 

Um es vorwegzunehmen: Ja, unsere gesellschaftliche Individualmobilität wird sich ändern und sie muss es auch. Ob aber jeder einfach sein Auto durch ein Fahrrad ersetzen kann, ich wage es zu bezweifeln. Bei dieser Witterung lassen mich meine zwei nassen Hunde im Auto auch nicht gerade an Carsharing denken. Die Elektromobilität hat leider auch ihre Schattenseiten, v. a. wegen der fragwürdigen Gewinnung der Rohstoffe. Brennstoffzellen eignen sich derzeit irgendwie nur für große Fahrzeuge und synthetische Kraftstoffe liefern auch keine umfassende Antwort. Es gibt letztere vermutlich auch gar nicht. Die Welt der Mobilität von morgen wird ein Mix aus allem sein und jeder Schritt wird ein bisschen weniger CO2-Emmissionen bedeuten. Aus Sicht der Freidemokraten hat in diesem Konzert das Auto mit modernem Verbrennungsmotor aber immer noch seinen berechtigten Platz.

 

Jetzt aber mal zu den Relationen: Mobilität macht nach Angaben des Umweltbundesamtes nur etwa 19 % der CO2-Verantwortlichkeit von insgesamt 11,61 t CO2pro Jahr eines Durchschnittsbürgers aus, also rund 2,2 t pro Jahr. Dennoch fixiert sich darauf scheinbar im Augenblick die gesamte Republik. Der größte Posten wird gerne übersehen: Über 39 % dieser CO2-Jahresbilanz entfallen auf unseren üppigen allgemeinen Konsum (ohne Heizung, Strom und Ernährung), also Dinge wie Kleidung, Kosmetika oder der neue Schraubendrehersatz vom Discounter. Wir müssen uns also ganz schön anstrengen, um das langfristige Klimaziel zu erreichen (und das ist nur 1 t CO2pro Jahr pro Einwohner).

 

Zurück zum Auto: Es bleibt uns erhalten und es muss irgendwo stehen, wenn es nicht fährt. Vor allem, wenn wir es nutzen, um Anschluss an den ÖPNV zu bekommen. Die im Auftrag der Stadt Bargteheide 2015 erstellte Studie berechnete den Bedarf an P+R-Parkplätzen in unserer Stadt noch unter der Annahme, dass ein zusätzliches Gleis mit dem Ausbau der S4 kommt und viele der heute bereits vorhandenen P+R-Plätze dann entfallen würden. Das scheint aber nun nicht mehr der Fall zu sein. Zusätzlich verstärkt sich der Unmut vieler Bürger und Bürgerinnen über die geplante Bebauung und die Errichtung einer Parkpalette auf der Ostseite des Bahnhofs, ginge doch wieder ein Stückchen Stadtgrün verloren. Die besagte Studie zeigt als Alternative einen Ausbau des Parkplatzes am Kreisel. Ein oder mehrere Parkdecks könnten als P+R-Anlage dienen, andere als sogenannter öffentlicher Parkraum für kurzfristige Besuche in der Innenstadt. Damit ließe sich auch der Parkdruck in der Rathausstraße senken, mehr Platz für Kurzzeit-Halteplätze der Lieferdienste oder auch mal einen zusätzlichen Fahrradbügel. Die Eigentumsverhältnisse für diese Lösung sind nicht einfach, aber auch nicht unüberwindbar. Es geht schließlich um Bargteheide und um sinnvolle Mobilität.

 

Dirk Backen ist Stadtvertreter in der FDP-Fraktion